Klassenrat

Unser Klassenrat

Ich hatte ja schon angekündigt, euch ein wenig von meinem Klassenrat zu erzählen. Der Ablauf des Klassenrats basiert lose auf dem Film „In eigener Sache: Klassenrat in der Grundschule“ und anderen Quellen, die ich während einer Fortbildung kennengelernt habe. Dazu diente mir Material einer Instagram-Kollegin als weitere Inspiration (schönen Gruß an dich, Eva!). Ich habe die Phasen gewählt, die ich am sinnvollsten fand und mir meine eigene Reihenfolge erstellt. Hier der Überblick der einzelnen Phasen:

  1. Warme Dusche
  2. Rückblick auf das, was sich in der Vorwoche vorgenommen / gewünscht wurde.
  3. Sind die Beschlüsse des vergangenen Klassenrats umgesetzt worden?
  4. Sind die notierten Anliegen noch aktuell?
  5. Was hat dich in den vergangenen Tagen wütend / traurig…gemacht?
  6. Was hat gut geklappt / was war schön in den vergangenen Tagen?
  7. Entschuldigung / Danksagung / Lob
  8. Das nehme ich mir vor / das wünsche ich mir für die nächste Woche.

1. Warme Dusche

Ein ganz wichtiger Einstieg für mich. Jedes Kind zieht zufällig eine Namenskarte und sagt zu dem gezogenen Kind etwas Positives.
Es fällt den Kindern am Anfang eher schwer, sich zu überwinden, anderen etwas Nettes zu sagen. Vor allem, wenn sie sonst nicht so viel miteinander zu tun haben. Wenn es am Anfang nur ein „du hast einen schönen Pulli an“ ist, ist das erst einmal ok so. Es soll jedoch nicht so sehr um das Äußere der Kinder gehen. Schade fand ich in meiner letzten Klasse aber, dass der gute Fußballer immer nur aufs Fußballspielen reduziert wurde.
Man kann übrigens auch sich selbst ziehen – das ist für die Kinder immer sehr schwer, hier etwas Gutes über sich selbst zu sagen. Auch ich als Lehrer nehme übrigens an dieser warmen Dusche teil.
Dies ist die einzige Phase, in der jeder etwas sagen muss.

2. Rückblick auf das, was sich in der Vorwoche vorgenommen / gewünscht wurde.

In dieser Phase überprüfen wir im Schnelldurchlauf ohne große Nachbesprechung, ob sich die Vorhaben / Wünsche der Vorwoche erfüllt haben.

3. Sind die Beschlüsse des vergangenen Klassenrats umgesetzt worden?

Hier wird ein Rückblick auf den vergangenen Klassenrat geworfen, wenn zum Beispiel festgelegt wurde, dass etwas in den kommenden Tagen umgesetzt werden sollte. Ist dies nicht passiert, muss man schauen, warum es nicht umgesetzt wurde und wie man nun weiter vorgehen kann.

4. Sind die notierten Anliegen noch aktuell?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder oft ein Anliegen in den Briefkasten werfen, es sich aber bis Ende der Woche von selbst erledigt hat. Deshalb wird vorab gefragt, ob es noch aktuell ist oder nicht.
Bei der Besprechung von Streits achten wir darauf, dass alle beteiligten Parteien zu Wort kommen und keine Vorwürfe gemacht werden (Ich-Botschaften). Alle, die im Klassenrat sitzen, können sich mit Lösungsvorschlägen einbringen. Je nach Ausgang des Gesprächs, können dann Beschlüsse gefasst werden, die möglichst ab sofort / im Laufe der kommenden Tage umgesetzt werden sollen. Wichtig für mich: Haben wir einen Streit geschlichtet, verlange ich nicht, dass sich die Beteiligten entschuldigen, falls sie es nicht eh schon selbst im Anschluss an die Klärung getan haben, also im Sinne von „Ich möchte, dass du dich jetzt entschuldigst.“. Das finde ich auferzwungen und sollte stattdessen von jedem Kind selbst kommen, auch wenn man natürlich versucht, Kinder in die richtige Richtung zu lenken. Das Entschuldigen passiert, wenn nicht schon geschehen, in der Regel in der 7. Phase (s. weiter unten).

5. Was hat dich in den vergangenen Tagen wütend / traurig… gemacht?

Hier können die Kinder erzählen, welche Ereignisse eher negative Gefühle ausgelöst haben. Das muss auch nicht auf Schule bezogen sein. Der Klassenrat versucht dann, dem Kind zu helfen, Tipps zu geben etc.

6. Was hat gut geklappt / was war schön in den vergangenen Tagen?

In dieser Phase erzählen die Kinder von positiven Erlebnissen. Auch diese Erlebnisse müssen sich nicht auf den Schulalltag beziehen.

7. Entschuldigung / Danksagung / Lob

Diese Phase finde ich immer am schönsten und ergiebigsten. Die Kinder haben hier die Möglichkeit, sich für Dinge zu entschuldigen (das muss auch nichts sein, was vorher besprochen wurde), sich bei einem anderen Kind zu bedanken oder ein Lob auszusprechen.

8. Das nehme ich mir vor / das wünsche ich mir für die nächste Woche.

Diese Phase soll als kleiner Ausblick dienen, was sich die Kinder bis zum nächsten Klassenrat vornehmen / wünschen. Das können schulische Dinge sein (zum Beispiel, dass sie besser aufpassen wollen), aber auch private (zum Beispiel weniger Streit mit den Geschwistern). Beim nächsten Klassenrat wird dann geschaut, ob sich die Vorhaben / die Wünsche erfüllt haben.

Wenn jeder zu Wort kommen möchte, reichen 45 min in der Regel nicht aus, weshalb der Klassenrat in der Regel etwas länger dauert, sofern es mein eigener Stundenplan zulässt (wenn ich nämlich in eine andere Klasse muss). Aber das finde ich auch nicht schlimm, denn ich halte den Klassenrat für so wichtig, dass man sich diese Zeit auch nehmen sollte. Hin und wieder kürze ich aber Phasen ab oder lasse sie aus, wenn sich zum Beispiel bei den Anliegen zu viel angesammelt hat und die Besprechung sehr lange dauert.

Ihr habt noch Fragen oder Anmerkungen? Dann hinterlasst einfach einen Kommentar.

Die Schilder, die ich entweder zu der passenden Phase in den Kreis lege oder die mit einem Pfeil als Phasenmarker an der Tafel hängen, findet ihr unten als Download. Viel Freude und Erfolg beim Klassenrat!

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